MS „Santa Laetitia“ und MS „Santa Liana“ Offen Reederei GmbH & Co. KG – Was soll den Anlegern ein Austausch der persönlich haftenden Gesellschafterin bringen?


Seit geraumer Zeit bekommen Anleger, die ihr Geld in Schiffsfonds investiert haben, in den meisten Fällen keine Ausschüttungen und müssen um ihre geleisteten Einzahlungen bangen. Die Gesellschaften versuchen auf unterschiedliche Weise, mit der Krise umzugehen und räumen diese gar schriftlich gegenüber den Anlegern ein.

Die bisherige Komplementärin Vierzehnte Oceanus Schiffahrts-GmbH der beiden Schiffsfonds MS „Santa Laetitia“ und MS „Santa Liana“ der Offen Reederei GmbH & Co. KG schlägt ihren Anlegern jetzt sogar mit Schreiben vom 23.5.2013 vor, sie durch die Neunundzwanzigste Oceanus Schiffahrts-GmbH auszutauschen. Nach eigenen Angaben soll dadurch ausgeschlossen werden, dass bei gemeinsamen persönlich haftenden Gesellschaftern Probleme eines Unternehmens auf ein anderes durchschlagen. Die jetzige Komplementärin hafte auch noch für andere Schifffahrtsgesellschaften.

Ob ein Wechsel der Komplementärin überhaupt sinnvoll ist und welchen konkreten Vorteil dies für die Anleger bringen soll, kann dem Schreiben allerdings nicht entnommen werden. Unser Mitglied Rechtsanwältin und Fachanwältin für Bank- und kapitalmarktrecht Stefanie Fandel der Kanzlei Strube Fandel aus Düsseldorf meint: „Es ist schlichtweg für den einzelnen Gesellschafter nicht feststellbar, ob die Neunundzwanzigste Oceanus Schiffahrts-GmbH nicht auch noch für andere Schiffahrtsgesellschaften haftet und welche der beiden Gesellschaften „das kleinere Übel“ ist. Eine Besserung der finanziellen Situation der beiden Schiffsfonds MS „Santa Laetitia“ und MS „Santa Liana“ der Offen Reederei GmbH & Co. KG scheint nicht in Sicht zu sein. Auch eine Wiederaufnahme der Ausschüttungen scheint nicht geplant zu sein. Das Schreiben an die Gesellschafter legt eher die Vermutung nahe, dass hier der „letzte Rettungsanker“ geworfen werden soll.“

Anleger der im Jahre 2007 aufgelegten Fonds MS „Santa Laetitia“ und MS „Santa Liana“ erhielten lediglich für das Jahr 2008 Ausschüttungen in Höhe von 1,75 %. Seitdem ist Ebbe in der Kasse. Als Begründung für die Aussetzung der Ausschüttungen führte die Fondsverwaltung TVP Treuhand- und Verwaltungsgesellschaft für Publikumsfonds mbH die Kursentwicklung des japanischen Yen (JPY) zum US-Dollar (USD) an. „Das Kursrisiko war offenbar von der Fondsgesellschaft, die ihre Fremdfinanzierungen über Schiffshypothekendarlehen jeweils zur Hälfte in USD und JPY aufgenommen hatten, fehlerhaft eingeschätzt worden. Dass dieses Kursrisiko aber auf die Beteiligungen der Anleger durchschlägt, obwohl in der Kurzübersicht zum Beteiligungsprospekt noch mit einer „Kursgarantie der Reederei Claus-Peter Offen“ geworben wurde, erstaunt.“ so Rechtsanwältin Stefanie Fandel.

Tatsächlich handelt es sich bei Schiffsfondsbeteiligungen um Risikoanlagen mit erheblichen Verlustmöglichkeiten.

Die Mitglieder der Anlegerschutzanwälte e.V. empfehlen: Wem die Beteiligung an der MS „Santa Laetitia“ und MS „Santa Liana“ Offen Reederei GmbH & Co. KG seitens einer Bank oder eines anderen Vertriebs als sichere Anlage und sichere Beimischung zum Depot verkauft worden ist, sollte sich anwaltlich beraten lassen, da dann der Verdacht der Falschberatung besteht. Dies gilt auch, wenn durch die Bank nicht auf die konkrete Höhe der Vertriebsprovisionen oder die lange Laufzeit und die kaum mögliche, vorzeitige Verkaufsmöglichkeit der Fondsbeteiligung hingewiesen wurde.

 
  Veröffenlicht am: 29. Juni 2013
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Stefanie Fandel

Stefanie Fandel

Rechtsanwältin, Düsseldorf Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht

Tätigkeitsfelder:

Bankrecht, Vertretung von Kapitalanlegern und Investoren, Grauer Kapitalmarkt, Fonds u. Beteiligungen, Verbraucherschutz, Arbeitsrecht

Kurzbeschreibung:

Rechtsanwältin Stefanie Fandel ist Mitglied im DAV und in dessen Arbeitsgemeinschaft Bank- und Kapitalmarktrecht sowie im Düsseldorfer Anwaltverein.